“Der Himmel ist blau und das Wasser auch”, so heißt die aktuelle Ausstellung von Katharina Prantl in Wien, eine Sommerausstellung, eine Reiseausstellung.
“Sommernacht”, “Indian Summer”, “Bleib im Boot, Sophie”, “Grüner Veltliner” sind einige der Bildtitel. Viele “Unterwegs-Skizzen” gehen diesen Bildern voraus. Skizze, aus dem italienischen schizzo – Tinten-, Tuschspritzer. Die erste flüchtige Darstellung einer Idee, eines Eindrucks. Keine lange Gedankenarbeit oder Bildkonzeption. Sehen, Erleben und Zeichnen gehen ineinander über. Was bleibt von einem Ort an Farben, Formen, Gerüchen, Eindrücken, Stimmungen?
“Augenblicksglück dieser Uferminute aus feinen Farben”, diese Gedichtzeile von Rose Ausländer passt zu den Bildern der Ausstellung.
Reisen – von einem Ort zum anderen, flanieren und verweilen. Den Blick weiten und intensivieren. In den Tag hinein leben. In den Himmel schauen, ins Wasser schauen, die Wellen, Brechungen, Linien, Spiegelungen wahrnehmen. Dem Licht im Lauf des Tages folgen, die Veränderungen und Übergänge bewußt erleben.
“Manche Abende haben eine Farbe, die du nicht beschreiben könntest, irgendwo zwischen blau und amaranth, und sie schwingen, in einem langsamen, langsamen Rhythmus” singt Gianmaria Testa im Lied “Come le onde del mare”.
Sich eine blaue Stunde gönnen – für einen Drink, einen Blick, eine Überraschung, eine Farbe, eine Form, einen Gedanken, eine Stimmung, und in einem langsamen, langsamen Rhythmus schwingen.
Bei der nächsten Kunstpause im Rahmen von 1 Kunstwerk. Viele Perspektiven, am Samstag, 4. September 2010, von 16 – 17.30 Uhr im Stadtpark am Wienfluß geht es um Reiseskizzen von Katharina Prantl und alles, was damit zusammenhängt.
Ausstellung le ciel est bleu et l’eau aussi von Katharina Prantl, Galerie Frey, 1010 Wien, Gluckgasse 3, bis 10. September 2010, Dienstag bis Freitag 11 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 14 Uhr

Die kürzeste Unterbrechung ist ein Blick in den Himmel. Wir müssen nur auf die Idee kommen, hinauf zu schauen. Mich hat vor Jahren eine Ausstellung von James Turells „skyspaces“ (die mit Himmelsausschnitten und Licht spielen) inspiriert, mehr in den Himmel zu schauen, der in der Stadt durch die Architektur immer neue Formen bekommt.
Das Bild „Pia schreibt“ von Eva Hradil drückt genau das aus. 2009 hatten wir das Bild drei Tage in unserem ersten Schreibcafé in Mödling, jetzt hängt es über meinem kleinen Küchentisch, mittlerweile ein sehr geschätzter Rückzugs- und Schreibplatz für mich.
Wo sich das Wasser mit dem Land verbindet
Das Meer hatte ich diesen Sommer (den ich in der Bergen und an Seen verbracht habe) nur durch die Bücher von Claudio Magris (Die Welt en gros und en détail), von Ilma Rakusa (Mehr Meer) und durch die Arbeiten von Silvia Grossmann und Alfred Graf. Anfang September habe ich mit Freude ihre gemeinsame Ausstellung in der Galerie Arcade in Mödling eröffnet.
Eine Ausstellungseröffnung ist immer eine Verbindung zwischen Worten und Bildern. In diesem Fall Bilder und Objekte, deren Qualität unter anderem in der Stille, in der Wortlosigkeit liegt, wie auch in der Natur etwas Stilles, Wortloses, Vollkommenes liegt. Trotzdem ist es sehr vergnüglich, mit Alfred und Silvia darüber zu sprechen, Gedanken auszutauschen, Worte und Berührungspunkte zu suchen.
Wo sich das Wasser mit dem Land verbindet, gibt es Berührungspunkte. Zwischen Lebenslauf und Werklauf gibt es Berührungspunkte. Zwischen mir, Alfred und Silvia gibt es Berührungspunkte. Der Ausstellungstitel inspirierte mich, nach Verbindungen zu suchen. Die Fäden laufen auf der Insel Losinj in Nordkroatien zusammen.
Alfred Graf unternimmt lange Wanderungen, Stränden und Flüssen entlang, hinauf in die Berge, durch die Wälder. Er sucht das Konstante, das Bleibende einer Landschaft und findet es im Sand, im Gestein. Er nimmt das Material, die Farben aus der Landschaft, und setzt ihr Bild neu zusammen, Stück für Stück.
In ihrem Buch “Mehr Meer” schreibt die Schriftstellerin Ilma Rakusa von der wandelbaren Unwandelbarkeit des Meeres, zu diesem Gedanken hatte ich sofort die Fotografien von Silvia Grossmann im Kopf. Ihr Blick folgt den Mustern, die die Wellen dem Sandstrand und der Wasseroberfläche geben, dem Land, das mit den Gezeiten auftaucht und wieder verschwindet, dem Himmel, dem Licht, das dem Meer die Farbe gibt.
Die Ausstellung in der Galerie Arcade in Mödling (Hauptstraße 79) ist bis 2. Oktober 2010 zu sehen. Fr 15 – 18 Uhr, Sa 10 – 15 Uhr. Am 24. September um 19 Uhr liest Wolfgang Bleier in der Ausstellung. Finissage ist am 2. Oktober von 11 – 15 Uhr.