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Wo sich das Wasser mit dem Land verbindet

Das Meer hatte ich diesen Sommer (den ich in der Bergen und an Seen verbracht habe) nur durch die Bücher von Claudio Magris (Die Welt en gros und en détail), von Ilma Rakusa (Mehr Meer) und durch die Arbeiten von Silvia Grossmann und Alfred Graf. Anfang September habe ich mit Freude ihre gemeinsame Ausstellung in der Galerie Arcade in Mödling eröffnet.

Eine Ausstellungseröffnung ist immer eine Verbindung zwischen Worten und Bildern.  In diesem Fall Bilder und Objekte, deren Qualität unter anderem in der Stille, in der Wortlosigkeit liegt, wie auch in der Natur etwas Stilles, Wortloses, Vollkommenes liegt. Trotzdem ist es sehr vergnüglich, mit Alfred und Silvia darüber zu sprechen, Gedanken auszutauschen, Worte und Berührungspunkte zu suchen.

Wo sich das Wasser mit dem Land verbindet, gibt es Berührungspunkte. Zwischen Lebenslauf und Werklauf gibt es Berührungspunkte. Zwischen mir, Alfred und Silvia gibt es Berührungspunkte. Der Ausstellungstitel inspirierte mich, nach Verbindungen zu suchen. Die Fäden laufen auf der  Insel Losinj in Nordkroatien zusammen.

Alfred Graf unternimmt lange Wanderungen, Stränden und Flüssen entlang, hinauf in die Berge, durch die Wälder. Er sucht das Konstante, das Bleibende einer Landschaft und findet es im Sand, im Gestein. Er nimmt das Material, die Farben aus der Landschaft, und setzt ihr Bild neu zusammen, Stück für Stück.

In ihrem Buch “Mehr Meer” schreibt die Schriftstellerin Ilma Rakusa von der wandelbaren Unwandelbarkeit des Meeres, zu diesem Gedanken hatte ich sofort die Fotografien von Silvia Grossmann im Kopf. Ihr Blick folgt den Mustern, die die Wellen dem Sandstrand und der Wasseroberfläche geben, dem Land, das mit den Gezeiten auftaucht und wieder verschwindet, dem Himmel, dem Licht, das dem Meer die Farbe gibt.

Die Ausstellung in der Galerie Arcade in Mödling (Hauptstraße 79) ist bis 2. Oktober 2010 zu sehen. Fr 15 – 18 Uhr, Sa 10 – 15 Uhr. Am 24. September um 19 Uhr liest Wolfgang Bleier in der Ausstellung. Finissage ist am 2. Oktober von 11 – 15 Uhr.

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Augenblicksglück

“Der Himmel ist blau und das Wasser auch”, so heißt die aktuelle Ausstellung von Katharina Prantl in Wien, eine Sommerausstellung, eine Reiseausstellung.

“Sommernacht”, “Indian Summer”, “Bleib im Boot, Sophie”, “Grüner Veltliner” sind einige der Bildtitel. Viele “Unterwegs-Skizzen” gehen diesen Bildern voraus. Skizze, aus dem italienischen schizzo – Tinten-, Tuschspritzer. Die erste flüchtige Darstellung einer Idee, eines Eindrucks. Keine lange Gedankenarbeit oder Bildkonzeption. Sehen, Erleben und Zeichnen gehen ineinander über. Was bleibt von einem Ort an Farben, Formen, Gerüchen, Eindrücken, Stimmungen?

“Augenblicksglück dieser Uferminute aus feinen Farben”, diese Gedichtzeile von Rose Ausländer passt zu den Bildern der Ausstellung.

Reisen – von einem Ort zum anderen, flanieren und verweilen. Den Blick weiten und intensivieren. In den Tag hinein leben. In den Himmel schauen, ins Wasser schauen, die Wellen, Brechungen, Linien, Spiegelungen wahrnehmen. Dem Licht im Lauf des Tages folgen, die Veränderungen und Übergänge bewußt erleben.

“Manche Abende haben eine Farbe, die du nicht beschreiben könntest, irgendwo zwischen blau und amaranth, und sie schwingen, in einem langsamen, langsamen Rhythmus” singt Gianmaria Testa im Lied “Come le onde del mare”.

Sich eine blaue Stunde gönnen – für einen Drink, einen Blick, eine Überraschung, eine Farbe, eine Form, einen Gedanken, eine Stimmung, und in einem langsamen, langsamen Rhythmus schwingen.

Bei der nächsten Kunstpause im Rahmen von 1 Kunstwerk. Viele Perspektiven, am Samstag, 4. September 2010, von 16 – 17.30 Uhr im Stadtpark am Wienfluß geht es um Reiseskizzen von Katharina Prantl und alles, was damit zusammenhängt.

Ausstellung le ciel est bleu et l’eau aussi von Katharina Prantl, Galerie Frey, 1010 Wien, Gluckgasse 3, bis 10. September 2010, Dienstag bis Freitag 11 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 14 Uhr

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Die Fäden und das Ganze

Zweimal habe ich den Film „Die Frau mit den fünf Elefanten“ von Vadim Jendreyko über die Übersetzerin Svetlana Geier gesehen, und ich freue mich schon auf die DVD, die im Herbst erscheinen wird.

Bilder und Gedanken begleiten mich. Svetlana Geier bügelt, streicht mit der Hand über die gebügelten weißen Tischdecken und spricht darüber, dass „Text“ und „Textil“ denselben Stern haben, wie einzelne Fäden ein Gewebe ergeben, und dass es immer um das Ganze geht.

Ihre Arbeit, ihr Alltag, ihr Lebenslauf sind eng miteinander verwoben. „Ich übersetze und dann muss ich die Wäsche waschen, und dann muss ich einen Kuchen backen und dann sind die Kinder da“. Berührend und faszinierend ist ihre Liebe zu den Worten, ihre Liebe zum Leben, ihre Art, über den Tod zu sprechen und die Achtsamkeit, mit der sie übersetzt, einkauft, kocht, bügelt, nachdenkt, spricht.

In einem Interview nach ihrer Übersetzungstheorie gefragt, antwortet sie: „Wahrscheinlich habe ich eine. Wahrscheinlich hängt das mit meiner Auffassung von Sprache zusammen, die genauso altmodisch ist wie meine gesamte Lebensführung“. An dem Ausdruck „altmodisch“ bin ich hängengeblieben. Sind die Langsamkeit und Behutsamkeit, mit der sie ein Buch verinnerlicht, altmodisch? Sind die Liebe und die Achtsamkeit Worten, Tätigkeiten, Ereignissen, Menschen und Dingen gegenüber altmodisch? Die Genauigkeit des Denkens?

Die Sprache ist nicht etwas, was von links oben nach rechts unten läuft, sondern sie ist etwas Räumliches, und diese Räume muss man irgendwie abschreiten.“

Es ist eine große Bereicherung, mit ihr im Film von Vadim Jendreyko einige dieser Räume zu begehen.

(Die Zitate von Svetlana Geier sind aus dem Buch. Swetlana Geier, Ein Leben zwischen den Sprachen. Russisch-deutsche Erinnerungsbilder. Aufgezeichnet von Taja Gut. Pforte Verlag, 2008, Dornach)

www.5elefanten.ch

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Blau machen oder das Stück Himmel über mir

Wie oft wünschen wir uns, einfach „blau zu machen“. Das Gewohnte durchbrechen, uns treiben lassen, nichts tun. Die Gedanken kommen und gehen lassen. In die Luft schauen, träumen. Keine blauen Wunder erleben, sondern neue Eingebungen. Im verlässlichen Blau des Himmels versinken, das immer da ist, auch wenn der Himmel manchmal schwarz, grau, violett, oder weiß ist.

„Jetzt ist der Himmel ganz weiß. Du kannst dir ja nicht vorstellen, in wie vielen Schattierungen ich ihn hier von der Straße aus schon gesehen habe. Auf dem Weg zur Firma habe ich immer nur nach unten geschaut, auf das Pflaster. Ich war ständig in Eile. Der Himmel war ganz weit oben über den Häusern, und ich bin nie auf die Idee gekommen, einmal hoch zu schauen.
Ja, heute ist der Himmel über mir weiß und schimmert wie eine Handvoll Perlen. In Momenten wie diesen wünsche ich mir, ich hätte Flügel“.
(aus: Maria Barbal, Emma, Transit Verlag, Berlin, 2009)

Die kürzeste Unterbrechung ist ein Blick in den Himmel. Wir müssen nur auf die Idee kommen, hinauf zu schauen. Mich hat vor Jahren eine Ausstellung von James Turells „skyspaces“ (die mit Himmelsausschnitten und Licht spielen) inspiriert, mehr in den Himmel zu schauen, der in der Stadt durch die Architektur immer neue Formen bekommt.

Wer Lust auf eine etwas längere Unterbrechung hat, den lade ich zu einer Kunstpause ein, an einem Freitag im Juni, – einmal etwas früher mit der Arbeit aufhören, blau machen, in den Himmel schauen und schreiben.

1 Kunstwerk. Viele Perspektiven.

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Eva malt wenn Pia schreibt

Für die Seite „Schreibräume“ auf meiner neuen Webseite habe ich nach einem Foto gesucht. Das ist gar nicht so einfach, denn es geht nicht um konkrete Schreibräume, in denen schon geschrieben wurde (auch wenn es davon schöne Fotos gibt), sondern um den Raum, der beim Schreiben entsteht. Dafür braucht es nur ein leeres Blatt Papier und einen Stift. Und schon habe ich einen Raum für mich alleine – wo auch immer.

Das Bild „Pia schreibt“ von Eva Hradil drückt genau das aus. 2009 hatten wir das Bild drei Tage in unserem ersten Schreibcafé in Mödling, jetzt hängt es über meinem kleinen Küchentisch, mittlerweile ein sehr geschätzter Rückzugs- und Schreibplatz für mich.

„Die Konzentriertheit – ja, die Zentriertheit von Menschen, die sich leidenschaftlich einer Sache widmen, fasziniert mich. Und diese einzufangen, macht mir Freude. Schreibende Menschen haben die gleiche Konzentriertheit wie zeichnende Menschen. Sie sind ganz bei sich und bei dem, was sie tun“ schreibt Eva Hradil in einem Text zur Bildserie „Lesende und Schreibende“ für unser Schreibcafé.

Ich mag das Bild „Pia schreibt“ sehr, es strahlt Ruhe aus und Kraft. Es zeigt diese Konzentriertheit, diese Leidenschaft, ganz bei einer Sache zu sein, ganz bei sich zu sein, ganz im Augenblick zu sein. Deshalb passt dieses Bild so gut auf die Seite „Schreibräume“.

Arbeiten von Eva Hradil sind von 8. bis 10. Juni 2010, jeweils von 16 – 20 Uhr im Ausstellungszentrum der Universität für angewandte Kunst, 1010 Wien, Heiligenkreuzerhof, Sala Terrena, zu sehen. Vernissage: 7. Juni 2010, 19-21.30 Uhr.

www.eva.hradil.info

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  • Text und Raum, Weben und Wirken

    Diese Begriffe sind meine Arbeit, meine Sehnsucht, mein Zuhause, mein Weg, meine Gestaltungsmöglichkeit, meine Begabung, meine Herausforderung.