Die Kunst der Begegnung – über den Journalisten, Autor und Reisenden Uwe Mauch

Uwe Mauch ist viel unterwegs, täglich überquert er mit seinem Fahrrad oder mit der Schnellbahn die Donau auf dem Weg von seiner Wohnung in Floridsdorf in die Zeitungsredaktion. Dieses Unterwegs-sein macht ihn sensibel für die Wahrnehmung mentaler Grenzen in einer Stadt: „Die Donau ist so eine Grenze. Floridsdorf ist für viele Wiener weit weg. Und das ist in anderen Städten nicht anders.“

Unterwegs-sein ist Teil seines Lebens. Seine Frau und seine beiden Kinder leben in Zagreb. Meistens steigt er am Freitag mit seinem Faltrad und Laptop in den Zug, und fährt am Sonntag oder Montag von Zagreb wieder zurück. Zeit zu denken, zu schreiben, Landschaften und deren Veränderung wahrzunehmen, Menschen zu beobachten.

Mit seinem Freund, dem Fotografen Mario Lang war er in den Nachbarstädten im Süd-Osten unterwegs, 2002 erschien ihr Buch „Unsere Nachbarn – Wiens Partnerstädte im Porträt“, 2010/11 „In 80 Arbeitstagen um die Welt“.

Eindrücke von unterwegs finden ihren Ausdruck auch im Blog Lebensnah: Miniaturen über Menschen, Orte, Ereignisse, Bemerkenswertes in Wien. Für mich ist dieser Blog mittlerweile so eine Art Adventkalender für das ganze Jahr: täglich neue Stadt-Entdeckungen, die mir sofort Lust machen, auf’s Fahrrad zu steigen und los zu fahren.

Seit 14 Jahren porträtiert Uwe gemeinsam mit Mario  für die Serie „Lokalmatadore“ in der Stadtzeitung „Augustin“ „Menschen, die zum Gelingen der Stadt beitragen und keinen eigenen Pressesprecher haben“ (Eigendefinition der Beiden). „Es gibt so viele Menschen, die Schönes, Interessantes, Kostbares, Verbindendes machen“, sie ins Licht zu rücken ist Anliegen von den Beiden.

Duch seinen Blog und die Serie „Lokalmatadore“ entwickelt Uwe Mauch eine ganz eigene Wien-Topografie. Den aus dem griechischen Begriff wörtlich genommen: topos – der Ort, graféin – schreiben. Menschen, in Orte eingeschrieben. Geschichten, mit viel Zärtlichkeit und Respekt von Uwe aufgeschrieben. Stadt denkt er von den Rändern her, aus unterschiedlichen Richtungen die Mitte querend. Sein Blick ist durchaus kritisch und folgt der Idee einer Stadt, in der ALLE Menschen gut leben können.

Für mich hat er eine Begabung, sich mit seinem Gegenüber zu verbinden, sich ganz auf den Augenblick einzulassen, ohne Vorstellungen, Ansprüche oder fertiges Bild. Er lässt die Menschen sein wie sie sind, und gibt ihnen Raum. Immer offen und bereit, sich überraschen zu lassen. „Die Menschen schenken mir ihre Zeit, das darf keine Einbahnstraße sein“.

Die Begegnung geschieht in dem Augenblick, in dem Geben und Nehmen, Berührt werden und Berühren, Fragen, Hören und Erzählen ineinander fallen, eins werden. Wo für beide Gesprächspartner etwas Neues entsteht – eben keine Einbahnstraße. Das ist für mich die Kunst der Begegnung.

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  • Text und Raum, Weben und Wirken

    Diese Begriffe sind meine Arbeit, meine Sehnsucht, mein Zuhause, mein Weg, meine Gestaltungsmöglichkeit, meine Begabung, meine Herausforderung.