Ein papierener Garten

Seit Ende Juni wachsen im 5. Bezirk in der Krongasse auf zwei Parkplätzen Kräuter, Blumen, Kürbisse, Chilis, Sonnenblumen, … – der Krongarten. Meine Freude über diesen Ort, die Verwandlung von Parkplätzen in einen Garten und meine Überzeugung, daß Raum dort entsteht, wo Menschen etwas miteinander machen, führte zum papierenen Garten – spätsommerliches Schreiben im Krongarten.

Der Titel ist von Elfriede Gerstl ausgeborgt, der Stadtnomadin und Wortkünstlerin. In ihrem Gedicht „Der papierene Garten“ pflückt sie „nach Laune Sätze von Wittgenstein, oder „geniesst Gedichtzeilen von Artmann“, ohne Wespen, Bienen oder sonstiges Getier. Der papierene Garten – Schreiben im Krongarten hat auch damit zu tun, daß ich gerne in der Stadt herumflaniere, Farben, Bilder und Worte sammle, und immer Orte suche, an denen man verweilen kann, etwas machen kann, ohne in einem Kaffeehaus zu sitzen. Der Begriff „Topographie“ kommt mir in den Sinn, das griechische Wort, der Ort, und Schreiben. Sich also schreibend mit Orten verbinden, mit der Stadt verbinden und Handlungs/Spiel/Räume schaffen.

Außerdem interessieren mich die „kleinen Formen“, 2 Stunden schreiben, eine Art „Espresso-Variante“ von meinen Schreibseminaren: klein, stark, intensiv und belebend: wach werden, mitten in der Wachheit. Oder eine Pause machen, den Tag unterbrechen, sich ausruhen. Das haben ein Blatt Papier und ein Garten gemeinsam: beide sind Raum, Möglichkeitsraum, Inspirationsraum, Ruheraum.

In den Krongarten habe ich 3 Gedichte gehängt, als Dank und Hommage an Elfriede Gerstl „Der papierene Garten“, „Vergnügen“ von Bert Brecht und „Heute will ich im Rückwärtsgang gehen“ von Heinz Janisch als Einladung, die Perspektive zu wechseln, und formal als Anregung für das weite Feld von Poesie: Gedichte in Form von Listen, Fragen, Aufzählungen.

3 Schreibimpulse für das Spiel mit Worten, für die Entdeckung von Wortschätzen.
3 Listen, – die einfachste Form von Schreiben. Einzelnen Worten Raum geben, die Geschichten, Erinnerungen, Bilder, Eindrücke hinter den Worten entdecken. In Form eines Fließtextes zu den unzensurierten Einfällen und Gedanken kommen, daraus wieder einzelne Worte suchen, – und: 3 Worte in den Garten hängen, ein papierener Garten.

Ich träume von vielen papierenen Gärten in der Stadt!

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Räume, Schreiben, Stadt. Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

Ein Kommentar

  1. Erstellt am 10. Juni 2013 um 15:47 | Permanent-Link

    so inspirierend, dass ich mir die Seite auf Papier kopieren möchte, um weitere Worte anzufügen, Worte von mir. Vielen Dank. Elke Heselschwerdt

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

*
*

Du kannst diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

  • Text und Raum, Weben und Wirken

    Diese Begriffe sind meine Arbeit, meine Sehnsucht, mein Zuhause, mein Weg, meine Gestaltungsmöglichkeit, meine Begabung, meine Herausforderung.