Wand- und Tischkalender sind nicht so meine Sache, Gedenktage auch nicht. Trotzdem liegt auf meinem Schreibtisch der “Literarische Wochenplaner”, das Geschenk einer Freundin “zur Inspiration”.
Mein Blick bleibt am 3. Jänner hängen, Maxie Wander hätte heute Geburtstag. So lange habe ich ihre Briefe und Tagebücher “Ein Leben ist nicht genug” und “Leben wär eine prima Alternative”, und die Frauenprotokolle “Guten Morgen, du Schöne” nicht in der Hand gehabt. Vor 25 Jahren haben meine Freundinnen und ich diese Bücher “verschlungen”. Wir waren so angesprochn von ihrem Lebenshunger, ihrer leidenschaftlichen Neugier auf Bücher, Menschen, Musik, Gespräche, Gedankenaustausch, die Welt – ein Leben kann gar nicht genug sein! Wir haben einander Gedanken und Sätze vorgelesen und geschrieben. Allerdings habe ich das herausgelesen, was mich als 20-jährige beschäftigt hat. Krankheit, Tod, die dunklen, schwierigen und widersprüchlichen Seiten des Lebens habe ich einfach ausgeklammert. Jetzt wäre es Zeit, die Bücher aus dem Regal zu nehmen, Maxie Wanders Geburtstag zu würdigen, wieder in den Bücher zu lesen. Ohne zu überspringen, auszulassen, zu überlesen.
Zwei Seiten weiter im Literaturkalender begegnet mir Bettine von Arnim. Ich denke an Briefe, Briefromane, Salon, die Suche nach dem eigenen Ausdruck, dem eigenen Raum. Noch einmal umblättern, und Virginia Woolf hat Geburtstag. Der beinahe schon abgedroschene und doch ewig gültige Satz “Eine Frau braucht Geld und ein Zimmer für sich allein” fällt mir sofort ein. Das eigene Zimmer, der eigene Raum, der eigene Denk- und Lebensraum. Wie sehr hat Bettine von Arnim darum gekämpft, und viel später Maxie Wander.
“Neugierig sein auf sich selber und sich zutage fördern” schreibt Bettine von Arnim, “Selbstdenken ist der höchste Mut … wer wagt, selbst zu denken, wird auch selbst handeln” und “klemme nicht deine Flügel ein, fliege so hoch und so weit dich deine Flügel tragen, ihre Kraft zu proben ist nicht Sünde”. Und Maxie Wander: “Es geht nicht darum, die Menschen wirklich zu kennen oder zu durchschauen, es genügt, die Arme auszustrecken, sie zu betrachten und lebendige Gespräche zu führen”.
Verbindungen zwischen diesen Frauen entstehen, Berührungspunkte tauchen auf. Maxie Wander unternahm “Fluchten” aus dem Alltag, in Schriftstellerheime, wie sie in der DDR üblich waren. So kam sie ins Schloss Wiepersdorf und zu den Briefen von Bettine von Arnim. Ich recherchiere weiter und komme zu zwei Adressen in Berlin: die Wanders im Künstlerdorf Kleinmachnow bei Berlin, und Unter den Linden 21, Bettines Salon in Berlin. Fred und Maxie Wander hätten natürlich niemals den bürgerlich verpönten Begriff “Salon” auch nur gedacht, und doch denke ich, daß sie die Idee des Salons in ihrer Zeit, in ihrem Haus umsetzten. In Kleinamchnow wie in Berlin ein offenes Haus, in dem sich unterschiedliche Menschen zu Gedankenaustausch und Diskussion treffen konnten, die Suche nach neuen Lebensformen, ein Raum für Unkoventionelles, Kritisches, soziales und politisches Engagement.
Und die Fortsetzung dieser Gespräche in Briefen. Wahrscheinlich wären Bettine von Arnim und Maxie Wander begeisterte “Facebookerinnen”, würden Gruppen gründen, vernetzen und verbinden, schreiben, widersprechen, bestätigken, aufrütteln, einladen.
3 Wochen im Jänner, 3 Frauen, die mich anregen und inspirieren.
Wand- und Tischkalender sind nicht so meine Sache, Gedenktage auch nicht. Trotzdem liegt auf meinem Schreibtisch der “Literarische Wochenplaner”, das Geschenk einer Freundin “zur Inspiration”.
Mein Blick bleibt am 3. Jänner hängen, Maxie Wander hätte heute Geburtstag. So lange habe ich ihre Briefe und Tagebücher “Ein Leben ist nicht genug” und “Leben wär eine prima Alternative”, und die Frauenprotokolle “Guten Morgen, du Schöne” nicht in der Hand gehabt. Vor 25 Jahren haben meine Freundinnen und ich diese Bücher “verschlungen”. Wir waren so angesprochn von ihrem Lebenshunger, ihrer leidenschaftlichen Neugier auf Bücher, Menschen, Musik, Gespräche, Gedankenaustausch, die Welt – ein Leben kann gar nicht genug sein! Wir haben einander Gedanken und Sätze vorgelesen und geschrieben. Allerdings habe ich das herausgelesen, was mich als 20-jährige beschäftigt hat. Krankheit, Tod, die dunklen, schwierigen und widersprüchlichen Seiten des Lebens habe ich einfach ausgeklammert. Jetzt wäre es Zeit, die Bücher aus dem Regal zu nehmen, Maxie Wanders Geburtstag zu würdigen, wieder in den Bücher zu lesen. Ohne zu überspringen, auszulassen, zu überlesen.
Zwei Seiten weiter im Literaturkalender begegnet mir Bettine von Arnim. Ich denke an Briefe, Briefromane, Salon, die Suche nach dem eigenen Ausdruck, dem eigenen Raum. Noch einmal umblättern, und Virginia Woolf hat Geburtstag. Der beinahe schon abgedroschene und doch ewig gültige Satz “Eine Frau braucht Geld und ein Zimmer für sich allein” fällt mir sofort ein. Das eigene Zimmer, der eigene Raum, der eigene Denk- und Lebensraum. Wie sehr hat Bettine von Arnim darum gekämpft, und viel später Maxie Wander.
“Neugierig sein auf sich selber und sich zutage fördern” schreibt Bettine von Arnim, “Selbstdenken ist der höchste Mut … wer wagt, selbst zu denken, wird auch selbst handeln” und “klemme nicht deine Flügel ein, fliege so hoch und so weit dich deine Flügel tragen, ihre Kraft zu proben ist nicht Sünde”. Und Maxie Wander: “Es geht nicht darum, die Menschen wirklich zu kennen oder zu durchschauen, es genügt, die Arme auszustrecken, sie zu betrachten und lebendige Gespräche zu führen”.
Verbindungen zwischen diesen Frauen entstehen, Berührungspunkte tauchen auf. Maxie Wander unternahm “Fluchten” aus dem Alltag, in Schriftstellerheime, wie sie in der DDR üblich waren. So kam sie ins Schloss Wiepersdorf und zu den Briefen von Bettine von Arnim. Ich recherchiere weiter und komme zu zwei Adressen in Berlin: die Wanders im Künstlerdorf Kleinmachnow bei Berlin, und Unter den Linden 21, Bettines Salon in Berlin. Fred und Maxie Wander hätten natürlich niemals den bürgerlich verpönten Begriff “Salon” auch nur gedacht, und doch denke ich, daß sie die Idee des Salons in ihrer Zeit, in ihrem Haus umsetzten. In Kleinamchnow wie in Berlin ein offenes Haus, in dem sich unterschiedliche Menschen zu Gedankenaustausch und Diskussion treffen konnten, die Suche nach neuen Lebensformen, ein Raum für Unkoventionelles, Kritisches, soziales und politisches Engagement.
Und die Fortsetzung dieser Gespräche in Briefen. Wahrscheinlich wären Bettine von Arnim und Maxie Wander begeisterte “Facebookerinnen”, würden Gruppen gründen, vernetzen und verbinden, schreiben, widersprechen, bestätigken, aufrütteln, einladen.
3 Wochen im Jänner, 3 Frauen, die mich anregen und inspirieren.