Zwischen Kunst und mir ein Blatt Papier – warum schreiben im Museum ?


Kunstbegegnung findet meistens über Sprache statt. Kein Museum, keine Ausstellung ohne Text: Objektbeschriftungen, Saaltexte, Katalogtexte, gesprochene Worte in Führungen. Ein Textgewebe, das Verbindungen herstellt, zwischen den Objekten selbst, zwischen den Objekten und den Betrachter:innen.

An einem Ende steht das Objekt, am anderen der Betrachter, die Betrachterin. Kunst lebt von dem, was in diesem Zwischenraum geschieht.

Die klassische Führung füllt diesen Raum mit Informationen, Wissen, Geschichten. Der Betrachter, die Betrachterin bekommt erzählt.

Beim Schreiben im Museum erzählt der Betrachter, die Betrachterin selbst.
Schreiben im Museum lässt in diesen Zwischenraum ein Blatt Papier fallen, als Möglichkeitsraum, als Erlebnisraum.

Konkrete Schreibimpulse laden ein, den Blick zu weiten, zu vertiefen, die Perspektive zu wechseln. Laden ein, Beobachtungen, Erinnerungen, Gefühle, Gedanken aus uns herauszuholen, dafür Worte zu finden und kurze Textsorten auszuprobieren.

Sich schreibend an die Objekte, die Bilder, die Ausstellungstücke herantasten, annähern, sich verbinden, befragen, umkreisen, erinnern.

Schreiben als Selbst-, Welt- und Spracherkundung.
Eine jeweils eigene Herangehensweise finden, eine individuelle Schreibart. Eine Form für das Beobachtete, Erlebte, Aufgelesene finden.

Meine Herangehensweise ist geprägt von der „Wiener Schreibpädagogik“, Sprache als Material zu sehen: Sprachexperimente, Auflösung der Grenzen zu anderen Künsten (visuelle Poesie, Lautgedichte), Hinwendung zum Unbewussten, zum Zufall.

In diesem transmedialen Raum verbindet sich mein Kunsthistorikerinnen-Sein mit dem der Schreibenden.

Am Samstag, 30. Mai 2026 veranstalte ich einen Schreibworkshop im Wien Museum,
in der Sonderausstellung Schiele & Peschka – eine Familienaufstellung.