Kunstbegegnung findet meistens über Sprache statt. Kein Museum, keine Ausstellung ohne Text: Objektbeschriftungen, Saaltexte, Katalogtexte, gesprochene Worte in Führungen. Ein Textgewebe, das Verbindungen herstellt, zwischen den Objekten selbst, zwischen den Objekten und den Betrachter:innen.
An einem Ende steht das Objekt, am anderen der Betrachter, die Betrachterin. Kunst lebt von dem, was in diesem Zwischenraum geschieht.
Die klassische Führung füllt diesen Raum mit Informationen, Wissen, Geschichten. Der Betrachter, die Betrachterin bekommt erzählt.
Beim Schreiben im Museum erzählt der Betrachter, die Betrachterin selbst. Schreiben im Museum lässt in diesen Zwischenraum ein Blatt Papier fallen, als Möglichkeitsraum, als Erlebnisraum.
Konkrete Schreibimpulse laden ein, den Blick zu weiten, zu vertiefen, die Perspektive zu wechseln. Laden ein, Beobachtungen, Erinnerungen, Gefühle, Gedanken aus uns herauszuholen, dafür Worte zu finden und kurze Textsorten auszuprobieren.
Sich schreibend an die Objekte, die Bilder, die Ausstellungstücke herantasten, annähern, sich verbinden, befragen, umkreisen, erinnern.
Schreiben als Selbst-, Welt- und Spracherkundung. Eine jeweils eigene Herangehensweise finden, eine individuelle Schreibart. Eine Form für das Beobachtete, Erlebte, Aufgelesene finden.
Meine Herangehensweise ist geprägt von der „Wiener Schreibpädagogik“, Sprache als Material zu sehen: Sprachexperimente, Auflösung der Grenzen zu anderen Künsten (visuelle Poesie, Lautgedichte), Hinwendung zum Unbewussten, zum Zufall.
In diesem transmedialen Raum verbindet sich mein Kunsthistorikerinnen-Sein mit dem der Schreibenden.
Am Samstag, 30. Mai 2026 veranstalte ich einen Schreibworkshop im Wien Museum, in der Sonderausstellung Schiele & Peschka – eine Familienaufstellung.
https://www.brigittahoepler.at/wp-content/uploads/2023/11/Brigitta-Hoepler-Logo-.png00Brigittahttps://www.brigittahoepler.at/wp-content/uploads/2023/11/Brigitta-Hoepler-Logo-.pngBrigitta2026-05-07 11:48:352026-05-07 11:49:55Zwischen Kunst und mir ein Blatt Papier – warum schreiben im Museum ?
Der Stadt begegne ich im Oktober 2025 an der Draubrücke. Brücken und Flüsse sind immer gute Stadträume. Ein paar Tische, Sessel, Biest Café. Die Sonne kommt auch gerade heraus. Ich schaue hinüber auf die Stadt, die ich noch nicht kenne. Zu der ich nicht vor gelesen, zu der ich noch keine Bilder und Worte habe. Das Buch „Villach“ in der Reihe „Europa erlesen“ im Wieser Verlag habe ich zu spät vor meiner Abreise entdeckt und bestellt.
Vielleicht ist es ohnehin interessanter, wie ein leeres Blatt in eine Stadt zu kommen, sie zu durchstreifen und sich durchstreifen zu lassen. Gedanken an Henri Michaux „ich schreibe, um durch mich hindurchzustreifen“ und an Georges Perec, das Bewohnen von Räumen, von Strassen, Plätzen, Städten, von Wörtern. „So beginnt der Raum, nur mit Wörtern, aufs weiße Papier gebrachte Zeichen“.
Neben mir ein Ausstellungsraum, Schau.Räume. Partizipative Kunst. Ist nicht die ganze Stadt ein Schauraum, und partizipative Kunst, denke ich, während ich köstlichen Espresso trinke und meine Blicke über die Drau werfe.
Meine Blicke, die natürlich nicht unvoreingenommen sind, suchen den Text einer Stadt, die sichtbaren und unsichtbaren Erzählungen, die Schichten des Palimpsests (von griech. „wieder abgekratzt“, antike oder mittelalterliche Pergamenthandschrift, deren ursprünglicher Text abgeschabt und neu beschriftet wurde) einer Stadt, die Teile der Stadtcollage. Ich suche die Zwischenräume, die toten Winkel, die versteckte Poesie. Ich entkomme meiner Perspektive nicht.
Zu lesen gibt es viel. Allein die Straßennamen geben ein Bild einer Stadt. Erzählen von Orten, Menschen, Berufen, Ereignissen: Klagenfurterstraße, Rathausplatz, Kirchenplatz, Postgasse, Khevenhüllergasse, Widmanngasse, Lederergasse, Seilergasse, Gerbergasse, 8. Mai-Platz, 10. Oktober-Straße, …
Am Hauptplatz wohnten die Ärzte Doctor Anton Groh (Pest- und Tuberkuloseforscher), Wilhelm Bombast von Hohenheim und Philipp Teophrastus, auch genannt Paracelsus. Ich lese mich weiter durch die Stadt, Hinweise auf Häuser, die hier standen, Denkmalinschriften, die für mich nicht entzifferbaren Grabinschriften rund um die Kirche, wo früher auch einmal ein Friedhof war – Stadtschichten.
Und dann das ganz erstaunliche Kriegerdenkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges. Das in Großbuchstaben geschriebenes Gedicht „Frieden“ der Dichterin Friederike Kempner. Eine Dichterin, von der ich noch nie gehört habe, zu der ich weiter recherchieren möchte, und wie ihr Gedicht auf das 2018 von Architekt Roland Winkler erweiterte Denkmal kommt.
Frieden Immer kämpfen, immer streiten Und das lohnt doch wahrlich nicht Und das Recht hat viele Seiten, Und der Frieden, er ist Pflicht.
Ich tauche tiefer in das Textfeld dieser Stadt ein. Das Denkmal der Namen in der Widmangasse. Aufgelistet die Namen, Geburtsdaten, Todesdaten und –orte jener Kinder, Frauen und Männer aus Villach vermerkt, die von den Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs ermordet worden sind.
LETTERS & LINES, ein Guerilla-Graffiti an einer Hauswand, vom Rosengarten aus lesbar. Kritzeleien in den schmalen Durchgangsgassen vom Hauptplatz weg. Sofort denke ich an den Graffiti-Künstler Friend: „das Malen im öffentlichen Raum ist für mich ein Ausdruck von Freiheit, von Menschlichkeit, von Handlungsfähigkeit. Städte ohne Graffiti verlieren an Charme, haben einen eigenartigen Beigeschmack, machen mir Angst“. Ich verstehe gut, was er meint. Villach hat diesen urbanen Charme, hat Lücken im Stadtgefüge. So passt es auch gut, dass ein Kollege von Friend, der Graffiti-Künstler Ruin für eine Wandbild in der Widmangasse eingeladen wurde. Die Künstlerin Isabella Toman, bekannt als Frau Isa, hat die Rückseite der Khevenhüller-Schule mit einer überdimensionalen Frau bemalt.
Im Rathaus, ein schlichter Bau von Karl Hayek aus den 1950er Jahren, dessen Stiegenhaus an die klassische Bauhausmoderne der 1920/30er Jahre erinnert, hängen zwei Schriftbilder von Valentin Oman. Sie passen gut ein eine Stadt mit so viel Text aus mehreren Jahrhunderten, Kulturen und Sprachen, legen Fäden zu den Räumen des Carinthischen Sommers, wo einige Bilder des Künstlers hängen.
In der Dauerausstellung im Rathaus über Villacher Frauen ist auch die Künstlerin und Illustratorin Angelika Kaufmann erwähnt, deren Arbeiten zwischen Text und Bild mich schon lange begleiten. Das Alphabet, die Schrift und damit verbunden die Handschrift stehen im Zentrum ihrer Werke.
Ich mäandere weiter durch die Stadt, auf dem Hans-Gasser-Platz „almost Triest“. Ein späthistorischer Bau, Palazzo Candolini. 2011 renoviert von Eugenie di Bona. Ganz oben an der Fassade vier Musen.
Regen(e)Ration – Reflexions- und Schreibworkshop, gemeinsam mit Regina Hügli, One Body of Water, Haus am Urmeer, Bisamberg, Samstag, 26. April 2026
Armutskonferenz, 28./29. April 2026, Salzburg
Zwischen Kunst und mir ein Blatt Papier, Schreibworkshop im Wien Museum, in der Ausstellung Schiele Peschka – eine Familienaufstellung, 30. Mai 2026, 1040 Wien
Mit meiner Freundin sitze ich im Cafe Weitzer. Ich erzähle von meinem Morgenespresso gegenüber der Franziskanerkirche, meine Blicke über die Mur hinweg, wie gerne ich diesen gotischen Kirchenraum mag, die Pauken schlagenden, trompetenden, Geigen spielenden Engel auf der Orgelempore. Meine Freundin spricht von der Uhr ohne Zeiger auf dem Turm und wie sie sich auf ihren Wegen daran freut.
Ich sehe sie sofort vor mir, diese zeigerlose Uhr, ohne sie bewusst wahrgenommen zu haben. Zu wenig Gegenwart in meinem Blick auf diese Stadt voller Erinnerungen.
Später gehen wir über die Brücke auf die Uhr zu, ich fotografiere und denke an Patti Smith, ihren Text „Uhr ohne Zeiger“. Auch sie besessen von Kaffeehäusern. Oft aus der Zeit gefallene Orte, mit stehen gebliebenen Uhren an der Wand.
Wie kann ich diese Uhr ohne Zeiger nicht sofort lieben!? Das Fehlen der goldenen Zeiger und die daraus entstandene Unterbrechung der fortlaufenden Zeit versprechen ihren eigenen Glanz. Mehr Kairos als Chronos. Mehr Augenblicksglück als getaktete Zeit.
Dem entsprechen auch meine beiden Armbanduhren. Der Schriftzug „JETZT“ von Leo Zogmayer und Zeiger ohne Ziffernblatt auf einer weißen Fläche. Zeit nicht in Abschnitte, Striche und Zahlen unterteilt. Meine andere Uhr, eine alte Omega, ungefähr genau.
Wir lebten rund um die Uhr, nahmen die Tage und Nächte ohne große Rücksicht auf Zeit. (Patti Smith)
„Die Mehrfachbelastung Welt ins Gras fallen lassen etwas für sich selbst machen
Häng ich so zwischen zeichnen und gezeichnet werden sehr viel und nichts Eine Dunkelheit als Raststation Warten auf das Unerhörte […]“
Die Kunst im Alltäglichen finden und das Besondere im scheinbar toten Winkel. Das Schöne den Menschen näherbringen und die Menschen miteinander verbinden. Autorin sein. Und Mensch.
Aus dem Alltag begrüßt Brigitta Höpler. „Boulevardverdichtungen“ wurde heute veröffentlicht.
https://www.brigittahoepler.at/wp-content/uploads/2023/11/Brigitta-Hoepler-Logo-.png00Brigittahttps://www.brigittahoepler.at/wp-content/uploads/2023/11/Brigitta-Hoepler-Logo-.pngBrigitta2025-01-14 18:08:182025-01-14 18:13:32Zu Gast auf der Alltagsbühne
Jeden Dezember gehe ich ins Kunsthistorische. Zu den Winterbildern der Niederländer. Das Valkenborchsche Schneegestöber war als Kind mein Lieblingsbild. Ich mag es immer noch. Die Winterlandschaften von Avercamp und Brueghel. Immer kaufe ich Karten dieser Winterbilder, setze mich ins Café in der Kuppelhalle und schreibe sie. Dieses Jahr nicht. Es ist dermaßen voll, Schlangen vor dem Café.
Beinahe sehnsüchtig denke ich an den Dezemberlockdown 2021. Ich war mit meiner Freundin, der Dichterin Hillary Keel im Museum. Ich für mein Dezemberritual, sie für Vermeer rund um ihr Schreibprojekt. Unabgesprochen haben wir beide darüber geschrieben.
Eine gewisse Leere 16. Dezember 2021, im Lockdown
Mit meiner Freundin Hillary im Kunsthistorischen Museum Vermeers Licht trifft uns unerwartet neu Wir vermissen manche Winterbilder die Betrachtenden den Kaffee in der Kuppelhalle während die Sessel gestapelt auf Marmortischen Wir vermessen die Leere Sacherwürstel und Bier im Burggarten der ausgelassene Teich wird gereinigt Bauzäune um die Wiesen ein älteres Paar geht seiner Wege Hand in Hand.
Ausschnitte aus dem Text A perfect world von Hillary Keel:
Stadtstreunen, mit dem Rad, stundenlang. Auflesen. Fotografieren. Notieren. Das Textfeld Stadt bearbeiten. Stadtschriften sammeln. Die Fotos ausdrucken, hin und her schieben. Zu Bildgedichten, Kurzprosa, zu Feststellungen, Aufrufen, Anklagen.
Mehr poetisieren, als dokumentieren Da und dort wohl auch romantisieren. Und trotzdem: immer auch politisieren.
Dort, wo das Ich als Verlängerung in die Welt hinein eine Kunstform der Übersetzung
Genia Loci ist mehr als nur der Titel des Romans von Anton Philipp. Es gibt einige Protagonisten, etwa den jungen Historiker Nino, der mit der Transkription eines barocken Manuskriptes beschäftigt ist. Oder, in jenem Manuskript, ein Jesuitenpater, der von den Geschehnissen in der Alservorstadt im Mai des Jahres 1723 in Ich-Form erzählt. Doch die eigentliche Protagonistin ist eben die titelgebende Genia Loci, nicht nur in Gestalt der geheimnisvollen Paula sowie der Gräfin Zenobia.
Genius/Genia Loci, die besondere Atmosphäre eines Ortes, das Wesen eines Ortes, der Zauber, der von einem Ort ausgeht. Durch topographische und historische Besonderheiten, durch die Geschichten, die Menschen, die mit einem Ort verbunden sind. Die „zerstäubten Reste“ (S. 305) im Stadtgefüge – materielle und immaterielle Bestandeile fügen sich ineinander. Die entstehenden Fugen geben der Phantasie Raum.
„Aber unsere Genia Loci ist eine wirkliche Schutzgöttin, die zwar irgendwie mit der Genia locale, der Bande des Grätzels, verbandelt ist, sonst aber vor allem Möglichen beschützt, den speziellen Flair oder das eigentümliche Wesen eines Ortes oder einer Gegend verkörpert.“ (S. 180)
Ich stelle mir vor, dass unsere Genia Loci immer wieder auf Trivia trifft, die Göttin des Dreiweges und Beschützerin der Wegkreuzungen. Auf die Frage, woher sie einander kennen, bekommt Nino immer wieder die gleiche Antwort in Paulas rätselhaften Freundeskreis, die Bande des Grätzels: „unsere Wege haben sich gekreuzt im Lauf der Jahre“. Kreuzungspunkte, die örtlich und zeitlich einen weiten Raum öffnen. Schwellen und Übergänge zwischen Fiktion und Wirklichkeit, zwischen Vergangenen und Gegenwärtigen, zwischen Erträumten und Erlebten.
Was für ein Glück, einem Buch zu begegnen, das die eigene Herangehensweise an das Phänomen Stadt, ihr Gefüge, ihre Geschichte in romanhafter Form weitet und vertieft.
Die Stadt als Collage, als Montage – ein Prozess des Aufbauens, Zusammenfügens, Kombinierens, Verflechtens – aus unterschiedlichen Zeiten, Bedürfnissen, Sehnsüchten, Funktionen, aus Geträumtem, Geplantem und Gewachsenem. Die Stadt als Palimpsest, – der ursprüngliche Text immer wieder abgeschabt, abgewaschen und neu beschriftet. Der verborgene Subtext einer Stadt.
Hier setzt der Roman von Anton Philipp an, schon auf den ersten Seiten wird der Protagonist Nino mit seiner „Schwingungstheorie“ vorgestellt. „Alles einmal Geschehene würde Schwingungen im Äther hinterlassen und man müsste nur die Technologie erfinden, um diese wieder in Sichtbares umzuwandeln“. (S.11)
Der Roman besteht aus zwei Handlungsebenen, die in der Rossau/Alservorstadt/Lichtental spielen, „innig verflochten mit dem unsichtbaren Gewebe, mit der Geschichte dieser Vorstadt. (S. 339)
Zum einen das Manuskript aus der Barockzeit, dem jungen Historiker Nino von seinem Onkel übergeben, erzählt von einem Mord, den Vorstadtklüngeln rund um Claudius Innocentius du Paquier und den Anfängen des Wiener Porzellans, dubiosen Handel mit Schmuggelware für Naturalien-Sammler und ihre Kunstkammern. Zum anderen die Geschichte rund um diesen Text, seine Transkription, cyberkriminelle Machenschaften und Begegnungen im Herbst 2019.
Viele Erzählfäden sind miteinander verknüpft, dem lateinischen Wortursprung von Text folgend, texere, – verbinden, verweben, verknüpfen. Die Orte im 9. Bezirk, das Wiener Porzellan, die Kunst- und Wunderkammern zwischen Magie und Naturwissenschaft, die Arbeit an alten Texten, die Methoden der Textbearbeitung und der Sprachwissenschaft. So wie eine Hommage an Heimito von Doderers Roman „Die Strudlhofstiege“.
Was weitgehende literarische, historische und kunsthistorische Kenntnis erfordert, topografische Erkundungen, sorgfältige Recherchen und eine große Portion Topophilie (Ortsliebe, Ortsverbundenheit, ursprünglich von Gaston Bachelard für die Poetik des Raumes eingeführtes Konzept, das die persönliche Beziehung zu einem geliebten Ort bezeichnet).
Das Buch macht Lust, auf der Strudlhofstiege zu sitzen, die Liechtensteinstraße entlang zu flanieren, und die Porzellangasse zurück. Verborgene Bäche zu suchen, das blaue Einhorn und Paulas Garten. Alte Stadtpläne zu studieren, Tee aus Porzellantassen zu trinken und Toast mit Stachelbeermarmelade zu essen.
Anton Philipp, Genia Loci, Privatdruck, 2023 Für Buchbestellungen: philrevert@scheifling.cc
https://www.brigittahoepler.at/wp-content/uploads/2023/11/Brigitta-Hoepler-Logo-.png00Brigittahttps://www.brigittahoepler.at/wp-content/uploads/2023/11/Brigitta-Hoepler-Logo-.pngBrigitta2024-10-14 20:20:562024-10-14 20:25:12GENIA LOCI – eine Rezension, eine Begeisterung und die Liebe zum Ort
Seefrauen lieben Zufälle. Zufälliges. Ihnen Zufallendes. So geschehen auch mit Seebarn, einem Auftrittsort künftiger Seefrauen, wo zum zufällig entstandenen Seegarn glückliche Assoziationen kamen. Seefrauen, Seegarn spinnend, Frauen sichtbar machend. Später im Café Heumarkt, einem weiteren Auftrittsort, die Frage nach den See- oder Sehfrauen. Das hatten sie nicht kommen sehen, es war ihnen zufällig ins Netz gegangen.
Spinnst du? Oh ja – immer wieder!
Wir sind in Teichen, Flüssen und Meeren geschwommen, schaumgeboren am Heumarkt, aufgezogen an der Wien, am Donaukanal, dem Donaufluss, an der Alten Donau,
sind gegen den Strom geschwommen und aus dem Netz der Meinungen ausgebrochen.
Wir garnen und zwirnen legen Fäden in allen Farben in Labyrinthe und wieder heraus wider die zweifelhaften Heldenerzählungen
Wir knüpfen ein neues Netz miteinander, untereinander, laden ein zum Vernetzen:
Seefrauen aller Meere! Schwimmt und vereinigt euch zu neuen Möglichkeiten! Bildet Kollektive!
Sehfrauen, schaut über den Horizont, streckt die Hände aus nach denen, die gegen das Untergehen kämpfen …
nach denen, die ihrer Unsichtbarkeit entrinnen, die sich zeigen wollen, gesehen werden sollen die ihre Gedanken als Flaschenpost verschicken, die anknüpfen am Seefrauengarn, weiter weben wollen am Stoff, an dem Frauen-Generationen gewebt haben,
ihn sich neu zuschneiden, umschneidern, anpassen, anverwandeln, weiterwickeln und entwickeln, die assoziieren, montieren und monieren
Lasst euch umgarnen und verweben, vernetzen und verbinden
von
Brigitta Höpler, der Raumgeberin und Stadtverknüpferin
Beatrice Simonsen, der Kunst-Natur- und Literaturwirkerin
Karin Seidner, der Seelen- und See/Sehfrauenwerkerin